Ebenen fotografisch kombinieren

Objekte auf unterschiedlichen Ebenen stehen in einer Art Beziehung, auch wenn diese in Natura im Grunde nicht miteinander agieren oder eine erkennbare wirkliche Beziehung vorhanden ist. Erst durch das Foto gelangen sie zu einer Beziehung und treten in Verbindung. Es können sich neue Formen ergeben, Elemente können einen neuen Kontext erhalten und an Bedeutung gewinnen. Form und Kontext können durch Veränderung der Kameraposition, des Blickwinkels und der Perspektive verstärkt werden oder aber verloren gehen.

Ebenen

Beispiele, wie Ebenen/Formen benutzt werden können:

  • Die Form des Hauptmotivs ähnelt der Form im Hintergrund (Steine im Vordergrund haben unter Umständen eine ähnliche Form wie ein Berg oder Hügel im Hintergrund, die Farbe des Motivs im Vordergrund wird durch ähnliche Elemente mit gleicher Farbe im Hintergrund wiederholt)
  • Das Motiv selbst wiederholt sich im Hintergrund (durch Spiegelungen oder mehrfaches Vorkommen)
  • Ein Vordergrundmotiv kann in Balance zu einem im Hintergrund befindlichen Objekt stehen, das wiederum für sich steht und den Blick auf sich zieht und weiter ins Bild holt oder hinaus leitet
Formwiederholung auf unterschiedlichen Ebenen
Formwiederholung auf unterschiedlichen Ebenen

Tiefe kontrollieren

Wenn man zwei Objekte miteinander kombinieren möchte, die auf unterschiedlichen Ebenen liegen, so kann man deren Größe, als auch deren Entfernung zueinander, über die Brennweite und Kameraposition bestimmen.

Zwei Motive auf unterschiedlichen Ebenen kombiniert
Zwei Motive auf unterschiedlichen Ebenen kombiniert

Mit einem Weitwinkel müssen wir näher an ein Objekt heran, ein zusätzliches entfernteres Objekt wird kleiner und weit entfernt abgebildet. Bei einem Teleobjektiv hingegen müssen wir uns von dem Objekt weiter entfernen, um in etwa den gleichen Bildausschnitt ins Foto zu bekommen, wobei das zusätzliche, entferntere Objekt, im Zusammenspiel mit dem vordergründigen Objekt, zunehmend näher rückt und an Größe und Präsenz gewinnt.

Nebeneinanderstellen

Flächen, die Objekte spiegeln, spiegeln diese auf unterschiedlichen Ebenen wider, das eigentliche Objekt befindet sich auf einer anderen Ebene als sein Spiegelbild. Ein Schaufenster oder Fenster, ein See, eine Pfütze, eine Gebäudefassade aus Glas und viele andere Dinge können andere Objekte spiegeln, diese Spiegelung kann leicht zur Bildgestaltung genutzt werden. Spiegelungen sind eine einfache Art, eine Beziehung zwischen Objekten auf unterschiedlichen Ebenen herzustellen, Spiegelungen schaffen unter Umständen Symmetrie, Spiegelungen sind in sich oft schon eine Balance.

Wiederholung eines Motivs auf unterschiedlichen Ebenen
Wiederholung eines Motivs auf unterschiedlichen Ebenen

Auch wenn es keine Spiegelung gibt, lernen wir dennoch, dass Objekte auf unterschiedlichen Ebenen zueinander in Beziehung treten können und im Foto interagieren. Das, was wir bei Fotos mit Personen vermeiden wollen, Stichwort Äste-Geweih, ist jetzt etwas, das wir uns zunutze machen möchten.

Ein Objekt im Vordergrund, das mit einem oder mehreren Objekten im Hintergrund kombiniert wird, kann unter Umständen neue (geometrische) Formen bilden oder zum Balanceobjekt werden.

Spiegelungen und Formen können wir also quasi nebeneinander platzieren, obwohl sie in der realen Welt weit entfernt sind oder erst gezielt durch Perspektive interagieren. Sie müssen sich nicht berühren, kreuzen oder unmittelbar nebeneinander stehen, um miteinander in Verbindung zu treten. Ein Objekt im Vordergrund kann zum Beispiel als Rahmen dienen, um ein gleiches oder anderes Objekt im Hintergrund einzurahmen, um den Betrachter dorthin zu leiten. Auch Farben, Töne und geometrische Formen, die sich auf unterschiedlichen Ebenen befinden, können nebeneinander- oder gegenübergestellt werden, es muss also nicht immer ein Objekt sein.

Obwohl die Worte auf unterschiedlichen Ebenen liegen erkennen wir ihren Zusammenhang
Obwohl die Worte auf unterschiedlichen Ebenen liegen erkennen wir ihren Zusammenhang

Schnittpunkte & Kreuzungen

Wenn wir zum Beispiel Personen fotografieren, sind wir oft so damit beschäftigt, uns auf die Person(en) zu konzentrieren, dass wir nicht auf Linien und Objekte in der Umgebung oder Hintergrund achten. Dabei ist es besonders wichtig, dass wir Obacht geben, was der Sucher um die Person(en) herum zeigt. Wenn störende Objekte vorhanden sind, sollte man nicht hingehen und an Photoshop denken; denn die Lösung ist vor Ort oft wesentlich simpler zu erzielen. Wir können die Person(en) ein klein wenig anders platzieren oder die Kameraposition verändern. Die meisten Schnittpunkte und Kreuzungen mit anderen Objekten werden so vermieden – das ist eine einfachere Lösung, als Photoshop zu bemühen und sollte in Zukunft das „Aus“ sein für Personen mit Ast-Geweihen, Mützen aus Tannenbäumen oder einem Heiligenschein aus einem Straßenschild.

Prüfen Sie deshalb unbedingt vor dem Auslösen den gesamten Bildausschnitt. Schauen Sie den Rahmen Ihres Suchers entlang, legen Sie Ihr Augenmerk auch auf die unmittelbare Umgebung der Person. Vermeiden Sie auch zu viel „leeren“ Raum über den Köpfen oder dem Kopf. Achten sie auf Linien und Gegenstände, die Personen störend kreuzen können und sich auch auf wesentlich weiter weg liegenden Ebenen befinden.

Die Helligkeit unterschiedlicher Bereiche liegt auf unterschiedlichen Ebenen
Die Helligkeit unterschiedlicher Bereiche liegt auf unterschiedlichen Ebenen

Wenn Sie bewusst auf die umgebenden Objekte und den Hintergrund achten, trainieren Sie sich selbst, zu erkennen, was im Grunde mit auf das Foto kommt. Gerade dann, wenn der Hintergrund oder die Szene von vielen unterschiedlichen Objekten übersät ist oder viele Linien vorhanden sind, ist es schwierig, die Vielfalt an Informationen im Bild auszublenden oder einen Blickwinkel zu finden, der alle Ebenen berücksichtigt.

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