Formen erkennen, nutzen, in Szene setzen

Beim Betrachten unserer bisherigen grafischen Elemente Punkt und Linie, stellen wir fest, dass diese beiden Elemente unweigerlich zu einem anderen grafischen Element führen: der Form. Punkte und Linien bilden häufig in ihrer Anordnung oder ihrem Verlauf Formen.

Formen · deutlich erkennbar sind Quadrate und Rechtecke
Formen · deutlich erkennbar sind Quadrate und Rechtecke

Formen können in einem Foto offensichtlich sein, als Kreis, Oval, Dreieck, Rechteck und Quadrat. Wir finden Formen oft auf unterschiedlichen räumlichen Ebenen. Trotz dieser „Entfernung“ lassen sie sich miteinander kombinieren. Oft wird man erst auf sie aufmerksam, wenn sie sich wiederholen, so wie im Bild oben.

Eine Form kommt oft besser zur Geltung, wenn man das Fotos beschneidet. Durch die Beschneidung wird das Foto selbst zur Form. Ein einfaches Beispiel ist der Beschnitt des Fotos ins 1:1 Seitenverhältnis, dem Quadrat, wie das folgende Bild demonstriert.

Bildverhältnis 1:1 · Quadratische Formen nutzen
Bildverhältnis 1:1 · Quadratische Formen nutzen

Allerdings kann eine Form auch etwas versteckter und nicht gleich erkennbar sein. Das ist zum Beispiel der Fall wenn sie durch andere und oder unterschiedliche Elemente in der Szene geformt wird. Eine Forme an sich, muss auch nicht unbedingt einer gleichmäßigen oder geometrischen Form entsprechen. Formen können durchaus unregelmäßig sein. Ein Bereiche in der Szene kann durchaus selbst eine Form darstellen und auf ein weiteres Motiv hinweisen oder ein Objekt unterstreichen. Die Form kann auch selbst zum Motiv werden.

Hier entsteht durch das Spiegelbild ein Kreis.
Hier entsteht durch das Spiegelbild ein Kreis.

Von den bereits zuvor vorgestellten Ideen haben wir gelernt, dass diese untereinander kombiniert werden können, so kann auch die Form von anderen bildkompositorischen Ideen begleitet oder mit ihnen kombiniert werden. Zum Beispiel in Form der Idee von den Wiederholungen oder Linien.

Formen interagieren

Andere Bildelemente oder weitere Formen können in Balance zum eigentlichen Motiv oder einer anderen Form stehen und durchaus weitere Formen bilden. Man kann sie nicht nur kombinieren, sondern auch gegenübergestellen. Die bereits bekannte Symmetrie ist eine Art der Gegenüberstellung. Die Symmetrie bildet aber oft auch eigene neue Formen. Eine Form muss nicht perfekt oder ausgeprägt sein. Man kann eine Form auch anschneiden oder durch Perspektive und Bildausschnitt andeuten. Sie kann sogar imaginär existieren, zum Beispiel durch Schatten oder andere Bildelemente wie Tunnel-Öffnungen. Sie entstehen häufig durch Linien, können aber auch durch Linien gestört oder getrennt werden.

Die Form des kleinen Tunnels ist zugleich ein Rahmen.
Die Form des kleinen Tunnels ist zugleich ein Rahmen.

Versuchen Sie bei ihren Aufnahmen, in Formen zu „denken“ und zu „sehen“. Prüfen Sie die unterschiedlichen Bildebenen. Achten Sie auf Licht und Schatten, sowie auf unterschiedliche Töne, Farben und Kontraste. Schaffen Sie es, in Formen zu denken oder zu sehen, dann sind Formen ein weiteres Hilfs- und Bildgestaltungsmittel wie Punkt und Linien. Diese Art des Sehens wird dabei helfen, noch mehr und weitere Motive für noch interessantere Fotos zu finden.

Manchmal kommt es auf den Blickwinkel an.
Manchmal kommt es auf den Blickwinkel an.

 

Brennweiten und Formen

Die Form eines Objektes kann durch die Brennweite des Objektivs und die Kameraposition (Perspektive und Blickrichtung) beeinflusst werden. Ist man näher an einem Objekt, zum Beispiel einem Haus, dann muss man unter Umständen mit einem Weitwinkelobjektiv arbeiten. Das weitwinklige Format erlaubt es uns erst das Objekt und seine Form aufs Bild zu bekommen. Allerdings führt dies oft unweigerlich zu stürzenden Linien. Die eigentliche Form oder das Motiv können verformt sein. Es ist durchaus möglich, dass aus einem eigentlich rechtwinkligen Objekt ein trapezförmiges wird. Entfernt man sich vom Objekt, benötigt man längere Brennweiten oder ein Tele-Zoom. Längere Brennweiten haben die Eigenschaft, die Schärfentiefe zu komprimieren. Im Vergleich zum Weitwinkel stellt sich beim Tele das Problem stürzender Linien meist nicht. Denken Sie daran, dass die Entscheidung über die Wahl der Brennweite und die der Kameraposition die Form eines Objektes beeinflussen können.

3 Gedanken zu „Formen erkennen, nutzen, in Szene setzen“

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