Objektive – Was nichts kostet ist nichts wert? Mein Tipp

Objektive kosten oft mehr als die Kamera!? Wie ich schon in meinem letzten Artikel geschrieben habe, begibt man sich bei der Wahl des Fotohobby auf eine Reise von endlosen Fragen. Sollte man auf der Suche nach einer geeigneten Kamera zum Entschluss gekommen sein, das man sich eine Digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) zulegen möchte kommt rasch die nächste Frage auf und zwar die nach dem geeigneten Objektiv. Auch bei der Suche nach einem Objektiv sollte man nicht denken man erhält nun eine klare Antwort wie „Kaufe Dir das xyz Objektiv!“, sondern es sind wieder einmal mehr Fragen die auf einen herunter prasseln.

CanNikOn
CanNikOn

Was möchtest Du fotografieren?
Beispiele zur Antwort: Gebäude, Personen, Insekten, Tiere
Wo möchtest Du fotografieren?
Beispiele zur Antwort: im Studio, im Freien, in Räumen, in Sälen, im Stadion
Wann möchtest Du fotografieren?
Beispiele zur Antwort: beim Sport, bei Konzerten, im Urlaub, beim Wandern, am Abend, am Tag

Bekannte Fragen!?
Northern Flicker (Goldspecht)
Northern Flicker (Goldspecht)

(Foto: In freier Natur Tiere einzufangen ist ohne Zoom sehr schwierig) Klingen die Fragen nicht irgendwie bekannt? Ja, es sind zum Teil genau die gleichen Fragen wie schon bei der Suche nach der Kamera. Auch bei den Objektiven gibt es keine ultimative Lösung. Hat man sich wie bei einer Kamera entschieden, stellt man oft sehr schnell fest, es könnten ruhig noch ein paar mehr oder weniger mm an Brennweite sein. Oder man vermisst doch die ein oder andere Blendenstufe oder wünscht sich ein bisschen mehr Lichtstärke.

Selbst als DSLR Nutzer möchte man eigentlich darauf verzichten ständig den Wechsel von Objektiven zu vollziehen, einmal weil man verhindern möchte, das ständig Fremdkörper wie Sand oder Staub in die Kamera eindringen können, oder weil man nicht ständig Platz hat mehrere Objektive mitzunehmen zum andern wegen des hohen Gewichtes das zusammen kommt oder weil einfach die Zeit fehlt während eines Shootings die Objektive zu wechseln.

Es gibt eine simple Regel, ich will zwar nicht sagen, dass sie allgemeingültig ist, aber sie hat leider meist Recht und gilt nicht nur für den Bereich Fotografie.

Objektive – Was nichts kostet ist nichts wert!

Gut so krass ist es vielleicht doch nicht, aber das was bei Objektiven wirklich den Wert ausmacht ist genau das was man meist bei günstigeren Objektiven vermisst, eben die Lichtstärke, die Schärfeleistung, offenere Blendenstufen etc.. Doch je mehr von diesen wünschenswerten Eigenschaften in ein Objektiv sollen, desto teurer wird es – leider – oder man muss Kompromisse eingehen und die Besten kann man erst dann machen, wenn man sich Fragen wie die oben gestellten gefallen lässt.

Je nach Einsatzzweck und Bildwirkung die man erzielen möchte benötigt man lichtstarke Objektive oder kommt mit weniger lichtstarken Objektiven aus. Doch was ist ein lichtstarkes Objektiv? Objektive die mit einer Anfangsblende von etwa F1:1,2 bis 1:2,8 beginnen gelten als Lichtstark. Im Bereich danach bis etwa 1:5,6 spricht man vom Normalbereich und alles was über 1:5,6 ist, gilt schon als eher lichtschwaches Objektiv. Wie sich der Unterschied zwischen den Stufen bemerkbar macht ist leicht erklärt, man muss bei den lichtschwächeren Objektiven länger belichten als bei den lichtstärkeren oder anders ausgedrückt bei lichtstarken Objektiven kann man oft noch aus der Hand fotografieren wenn es dunkler wird wohingegen man bei einem lichtschwachen Objektiv schon früher zu einem Blitz oder Stativ greifen muss.

Lichtstärke

Die Lichtstärken eines Objektivs geben zugleich auch die kleinste Blendenöffnung an, die das Objektiv bietet, also die Angaben wie 1,2, 2,8, 5,6 und so weiter. Je kleiner die Blendenöffnung desto besser lässt sich ein Objekt vom Hintergrund lösen, da hier der Bereich der Schärfentiefe gering ist. Bietet ein Objektiv eine Anfangsblende von Blende von 5,6 an wird es schwieriger werden nahbeieinander liegende Objekte durch die Schärfe voneinander zu trennen. Wo brauche ich denn schon sowas? Naja zum Beispiel wenn man eine Blüte an einem Kirschbaum hervorheben oder einen Sportler vom unruhigen Stadionhintergrund abgrenzen möchte.

Bartkauz
Bartkauz

(Foto: so nah kommt man sonst ohne ein Zoom, auch im Freiwildgehege, nicht an Tiere heran) Auch die Frage welche Brennweite sollte mein Objektiv haben, ist von den Antworten auf die Fragen mit den  „W‘s“  abhängig. Bei den Brennweiten wird der Bereich in mm angegeben je kleiner die mm Angabe desto weitwinkliger ist das Objektiv je größer die mm Angabe desto näher kann man in der Ferne liegende Objekte heranholen. Von unten nach oben kann zwischen Fischaugenobjektiven, Weitwinkel-, Normal-, Tele- und Superteleobjektiven unterscheiden werden.

Crop-Faktor

Je nach Kamera kann man die Werte der Brennweite nicht einfach eins zu eins übertragen, es kommt der sogenannte Format- oder Crop-Faktor hinzu. Der Fomatfaktor ist in der digitalen Fotografie begründet und leitet sich aus dem Vergleich zur herkömmlichen (nicht digitalen)  Kleinbild-Fotografie heraus ab, da man lange Zeit gewöhnt war das KB-Negativ oder KB-Dia als Standard-Größe von Fotos zu sehen. Deshalb gibt es bislang auch noch häufig Fotos wenn man sie im Laden bestellt, die nur Ausschnitte des digitalen Bildes zeigen oder aber Ränder besitzen.

Der Formatfaktor bezeichnet letztlich den Wert den man zu Grunde legen muss um ein Bild des Kamera-Sensors so in der Größe zu verändern das man am Ende ein Bild im Kleinbild-Foto-Format erhält. Eine DSLR die keinen Vollformat-Sensor (ein Sensor in der Größe eines KB-Negativs) besitzt, hat einen Formatfaktor, zum Beispiel 1,6. Die Brennweiten eines Objektivs muss in einem solchen Fall mit dem Formatfaktor multipliziert werden. Aus einem 50mm Objektiv wird durch Formatfaktor von 1,6 ein 80mm Objektiv (gemessen am Kleinbild!). Das ist sicherlich verwirrend für den Anfang macht sich aber im Grunde nicht bemerkbar wenn man durch den Sucher oder auf das Display schaut.

Brennweite
Pingvellir (Island)

(Foto: hier nachgestellt, eine Aufnahme wie bei einem Tilt-Shift Objektiv) Wenn man versucht etwas Großes aus der Nähe auf ein Bild zu bekommen, zum Beispiel ein Haus, wird man ein Weitwinkelobjektiv benötigen. Jetzt macht sich der Formatfaktor bei der Wahl des Objektives bemerkbar, denn während man bei der analogen Fotografie gewohnt war mit einem 24mm oder 28mm Weitwinkel-Objektiv zu arbeiten, so ist im digitalen Zeitalter durch die Berücksichtigung des Formatfaktors, ein solches Objektiv mit 38mm bzw. 45mm kein richtiges Weitwinkel mehr und muss schon eher zum Bereich eines Normalobjektivs gezählt werden.

Eine weitere Frage wird sein nehme ich ein Zoomobjektiv oder eines mit Festbrennweite? Auch hier kommen wieder die W-Gegenfragen, „Was“, „Wo“ und „Wann“. Ein Zoom ist sicherlich eine tolle Sache, doch im Studio wird oft kein Zoom benötigt, da sind Festbrennweiten die erste Wahl, denn diese besitzen oft die höhere Bildqualität und bessere Lichtstärke. Eine Marko-Festbrennweite hat sicherlich ein besseres Abbildverhältnis als ein Zoom, doch auf ein Zoom wird man in der Sportfotografie oder in der Natur bzw. auf Reisen nicht verzichten wollen.

Spezialisten

Bei dem „was“ man fotografieren möchte könnten unter Umständen auch Spezial-Objektive als Antwort in Frage kommen, denn es gibt spezielle Objektive für sich besonders für bestimmte Einsatzzwecke qualifizieren, so zum Beispiel das bereits angesprochene Makro-Objektiv, ein Porträtobjektive, ein Tilt-Objektive, ein Shift-Objektiv und noch weitere.

Wer nun meint es seien jetzt alle zu beachtenden Aspekte bereits genannt, den muss ich enttäuschen, denn ich habe mit Sicherheit noch lange nicht an alles Gedacht und spontan fallen mir noch weitere Schlagworte und Merkmale eines Objektives ein und ich könnte noch weiter ausholen und über Randabdunklung, Verzeichnung, Schärfe- und Farbwiedergabe nachdenken, ganz zu schweigen von Bildstabilisatoren und Autofocus-Motoren.

Fragen über Fragen

Um aber der Frage nach einem guten Objektiv gerecht zu werden – so wie sie Anfänger oft meinen und um deren Geldbeutel zu schonen der ja oft gleich zu Anfang durch den Kauf der eigentlichen Kamera strapaziert wird, möchte ich folgendes anraten:

Nicht immer ist das angebotene Kit-Objektiv (das Objektiv das im Paket mit dem Kameragehäuse verkauft wird) die erste Wahl. Eine bessere Wahl (wenn nicht doch schon im Kit enthalten) ist ein Zoom-Objektiv, das den Brennweitenbereich um die 18 – 200mm abdeckt, bei einer Kamera mit einem Formatfaktor 1,6 erhält man so einen weitwinkligen Anfangsbereich von ca. 28mm bis hin zu einem Tele bei ca. 320mm. Da hat man schon die Möglichkeit das ein oder andere Gebäude gänzlich auf das Bild zu bekommen oder das ein oder andere scheue Tier näher heranholen zu können.

Ein Objektiv mit etwa diesem Zoombereich wird gerne als „immer-drauf“ Objektiv bezeichnet oder ist bei Reisen ein beliebter Begleiter, da es Gewicht und Platz spart und wird nicht zuletzt deshalb auch „Reise-Zoom“ genannt. Später kann man seine Ausrüstung immer noch ergänzen um so zum Beispiel Spezialbereiche abzudecken oder  qualitativ aufzuwerten. Angeboten wird ein solches Objektiv von fast allen Kameraherstellern oder auch einigen Fremdanbietern wie z.B. Tamron oder Sigma.

Hier ist meine Brennweiten-Objektiv-Abdeckung:

Tokina 12-24mm  AT-X Pro SD (IF) DX F4
Canon 50mm EF II F1:1,8
Tamron 90mm AF SP DI F1:2.8 Macro 1:1
Canon 18-200mm EF-S 1:3.5-5.6 IS
Canon 100-400mm EF L IS F1:4.5-5.6

Welche Abdeckung hast Du gewählt?
Benutzt Du ein Zoom oder/und Festbrennweiten?

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