Bildgestaltung – Die große Fotoschule, (m)eine Buchrezension

Mein Seminar zur Bildgestaltung in der Fotografie beschäftigt sich mit vielen Themen und Aspekten, die auch in dem von mir hier vorgestellten Buch, aus dem Rheinwerk Verlag: „Bildgestaltung · Die große Fotoschule“ abgehandelt werden. Bevor ich auf das Buch genauer eingehe, möchte ich kurz darüber schreiben, wie man versuchen kann das Thema Bildgestaltung zu vermitteln und was Bildgestaltung überhaupt ist.

Nun, es gibt wie so oft, viele Wege um ein Thema anzugehen. So auch beim Thema Bildgestaltung; hier fällt mir zunächst der Ansatz ein, einige Grundlagen der Bildgestaltung aufzuzeigen und zu erläutern, ich meine hiermit die „Gestaltungsregeln“ oder auch Kompositionsregeln zum Bildaufbau. Die meisten werden schon vom „Goldenen Schnitt“ und der „Drittelregel“ gehört haben. Neben diesen beiden Regeln gibt es natürlich noch zahlreiche weitere Regelansätze. Zu den Grundlagen gehören aber auch Themen wie Kontraste, Bildformat, Farbe, die Reduktion auf grafische Bildelemente und nicht zuletzt das Thema Licht.  Aufzeigen und erläutern heißt man „listet“ einfach all das was man weiß auf, hoffentlich strukturiert und zeigt zudem noch passendes Bildmaterial.

Bildanalyse

Ein weiterer Ansatz Fotografie Begeisterte an diese Themen heranzuführen ist die Bildbesprechung auch Bildanalyse oder Bildkritik genannt. Anhand von (vielen) Bildern, die man analysiert, lernt man letztendlich die Elemente der Bildgestaltung im Foto wiederzufinden. Wir erkennen was an oder in einem Foto gut ist, weshalb es dadurch an Aussagekraft und Wirkung gewinnt. Wenn man diese Elemente herauskristallisiert erfährt man unweigerlich etwas über die Grundlagen der Bildgestaltung in der Fotografie.

Je nach Kenntnisstand des Fotografen (egal ob Neuling, Wiedereinsteiger, ambitionierte Hobby oder Amateurfotograf) ist vieles von dem, was wir durch Bildanalyse, Lesen oder durch ein anderes Medium erfahren oder gelernt haben bereits im Unterbewusstsein verankert. Wir setzen vieles aus diesem Wissen in unseren Fotografien um, allerdings mehr oder minder bewußt. Unter diesem Wissen verstehe ich sämtliche Grundlagen, egal ob nun Kameratechnik, Bedienung oder Bildgestaltung. 

Unter Gestaltung verstehen wir allerdings den kreativen und bewussten Prozess auf unser Werk Einfluss zu nehmen. Das Manko also steckt oben im Wort im Unterbewusstsein, d.h. wir steuern es nicht sondern überlassen es eher dem Zufall anstatt gezielt die Elemente einzusetzen und anzuwenden. Wir müssen uns deshalb mit dem Thema Bildgestaltung auseinandersetzen und uns Bewusst machen was Bildgestaltung eigentlich ist.

Bildgestaltung

In Definitionen zur Bildgestaltung lesen wir häufig in etwa:

Die Bildgestaltung (auch: Komposition) ist eines der wesentlichsten Gebiete des Fotografierens. Sie ist eigentlich der erste Schritt bei jeder Aufnahme eines Fotos und liegt damit zeitlich vor der tatsächlichen, von der Kamera durchgeführten Aufzeichnung des Fotos. Da die technischen Grundlagen der Fotografie jedoch für die Bildgestaltung von großer Bedeutung sind, wurde das entsprechende Kapitel vorangestellt.

Anders ausgedrückt, sollte man sich zunächst mit den Grundlagen der Fotografie und Technik auseinandersetzen und erst danach mit der Komposition. Durch die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema lernen wir oft neues hinzu oder holen bereits erlangtes Wissen aus dem Unterbewusstsein in unser Bewusstsein zurück, festigen und ergänzen es.

Doch warum bringe ich diese etwas ausführlichere Einleitung zu einer Buchrezension? Mir geht es darum den Leser meiner Rezension einfacher verstehen zu lassen, weshalb mir das Buch so gefällt, doch mehr dazu in meinem Fazit am Ende des Beitrags. Schauen wir uns zunächst einmal den Inhalt des Buches an. 

Cover: Bildgestaltung · Die große Fotoschule (ISBN 9783836239400)
Cover: Bildgestaltung · Die große Fotoschule (ISBN 9783836239400)
 
Der Inhalt

In 11 auf sich aufbauende Kapitel findet der Leser folgende Themen:

  1. Bildgestaltung
  2. Ausrüstung und Technik
  3. Motive sehen und inszenieren
  4. Rahmen und Raum
  5. Punkte, Linien und Flächen
  6. Farbe und Licht
  7. Schwarzweiß
  8. Bildgestaltung im digitalen Labor
  9. Den Fotografischen Blick trainieren
  10. Regeln brechen
  11. Zeigen Sie Ihre Werke

Die Kapitel lassen erkennen, wie umfangreich das Buch und nicht zuletzt das Thema ist. Man kann sagen, dass es ein Buch mit viel Lesestoff ist, denn wir finden sehr viel Text auf den 427 Seiten. Neben ausführlichen Texten, die ab und an „leider“ nur an der Oberfläche des Themas bleiben, gibt es zahlreiche Bildbeispiele, deren Erklärung ebenfalls wieder mit viel Text daher kommt. Eine tiefergehende Betrachtung und Weiterführung, käme allerdings mit noch mehr Text daher und deshalb finde ich es nicht weiter schlimm, dass die Autoren nicht immer bis ins kleinste Detail verzweigen. Bei den Bildern könnte man fast meinen, das man jedem beliebigen Bild „wenn man nur will“ etwas zum Thema Bildgestaltung abverlangen kann. Einige Leser möchten erwarten „nur“ Paradebilder präsentiert zu bekommen, aber es gibt viele Bilder, die eben untypisch für Hochglanz-Magazine und Poster sind. Um Paradebilder geht es ja auch zunächst nicht, sondern um Bilder in einem Schul und Lehrbuch aus denen man lernen kann. Perfekte Bilder sind unter umständen viel schwieriger zu Analysieren. Die Bilder die wir im Buch vorfinden sind oftmals Bilder, die denen auf der eigenen Festplatte ähnlich sind.

Nach einer Einleitung ins Thema sehen wir gleich das Thema „Ausrüstung und Technik“ man hätte dieses Thema, wenn man sich meine oben gewählte Definition zur Bildgestaltung anschaut auch weglassen können, vorausgesetzt, man hat sich bereits im Vorfeld anderweitig mit der Kameratechnik auseinandergesetzt. So rundet dieses Kapitel zumindest im Ansatz die Grundlagen ab und bietet Einsteigern zu erkennen welche technischen Aspekte wichtig sind, für Fortgeschrittene eher eine knappe Zusammenfassung und Erinnerung.

In den folgenden Kapiteln geht es dann um die tatsächliche Bildgestaltung und der Bildanalyse. Genau diese Herangehensweise ist eine derer, die meines Erachtens einen guten Lernerfolg und persönliches „weiterkommen“ in der Fotografie ermöglichen. Es ist wichtig zu erkennen, was in einem Bild funktioniert und sich dies beim Fotografieren immer wieder ins Bewusstsein zu holen und zwar jeweils bevor der Auslöser gedrückt wird. Es geht dann auch darum, wie ich einem Bild, bzw. dem Motiv einen passenden Rahmen und den notwendigen Raum im Foto verschaffe.

Inspiration 

Zum Ende eines jeden Kapitel gibt es von ausgewählten Fotografen, Seiten der Inspiration. Der Leser erhält zu Foto-Themen inspirierende Bildbeispiele, die eine Möglichkeit der Erarbeitung des Themas aufzeigen. Man sollte diese Inspirationen wirklich ach so verstehen und diese zum Anlass nehmen selbst zu diesem Thema einmal Fotos zu machen. Und dabei sind wir schon bei der eigentlich wichtigsten Sache, dem Fotografieren selbst. Wenn wir nicht selbst fotografieren und „trainieren“, also uns darin üben Fotos zu gestalten, dann werden wir bei uns selbst keinen Fortschritt erkennen können.

Bildgestaltung - Seiten der Inspiration
Bildgestaltung – Seiten der Inspiration

All die Anregungen und Aspekte die wir erlernen gilt es auch selbst auszuprobieren und zu üben. Es genügt nicht, sich mit jedem Thema einmal auseinander gesetzt oder darüber gelesen zu haben. Um das Erlernte zu verinnerlichen muss man selbst kontinuierlich daran arbeiten. Durch die Studie des Buchs, das ideal geeignet ist sich Anregungen zu holen und lange Abende während des Schmuddel-Wetters zu verkürzen, erlangt man ein umfassendes Grundwissen zur Bildgestaltung.

Wir bekommen aufgezeigt worum es bei einem Bild und seiner Wirkung ankommt. Wir erhalten in jedem Kapitel ein Teilstück dessen was im „Großen und Ganzen“ in ein gutes Bild einfließen sollte. Wir erfahren Techniken der Bildgestaltung und sollten diese zum Anlass nehmen damit zu experimentieren und unsere eigenen Erfahrungen damit zu sammeln. Aber mit dem Anfertigen ist noch lange nicht Schluss bei einem Bild, wir müssen (oder wollen) das Bild unter umständen optimieren, zum Beispiel im digitalen Labor um es dann vorzeigbar zu machen und in eine entsprechende Form zu bringen. Mit Form meint das buch hier auf die Webseite, als Buch oder als Druck.

Mein Fazit

Das Buch „Bildgestaltung · Die große Fotoschule“ von André Giogoli und Katharina Hausel geht Aspekte der Bildgestaltung mal mehr oder minder ausführlich tief auf den Grund. Es ist eine Wahre Quelle der Inspiration und zeigt die unterschiedlichsten Facetten der Bildgestaltung. Es geht im Buch um viel Text zu einem jedoch auch sehr komplexen Thema. Auch wenn es manchmal trotz viel Text nur auf der Oberfläche entlang geht, ist es ausführlich genug um jedem Fotografen Stoff zu bieten, der ihn auffordern sollte selbst wieder zu fotografieren. Wir lesen vieles was wir eventuell bereits geahnt haben und in unserem Unterbewusstsein schlummert. Aber egal welchen Weg man nun wählen mag um sich mit dem Thema auseinander zu setzen, das Buch ist komplex genug, dennoch klar, einfach und gut strukturiert aufgebaut, dass jeder Fotograf sich weiterentwickeln kann. Es eignet sich um von Anfang an bis ans Ende durchgelesen zu werden, da die Kapitel aufeinander aufbauend sind, es ist aber genauso gut geeignet sich ein Wunschthema anzusehen und sich dann darauf zu konzentrieren.

Bildgestaltung - bewußtes Einsetzen von Gestaltungsmitteln
Bildgestaltung – bewußtes Einsetzen von Gestaltungsmitteln

Wie gesagt das „Wissen“ zu haben ist wichtig, das Ausprobieren, Üben und sich Bewußt machen ist genauso wichtig. In diesem Sinne kann ich das Buch allen empfehlen, die gerne lesen und sich eine solide Basis für ihre eigene fotografische Arbeit im Bereich Bildgestaltung aneignen wollen. Für die Schulung des eigenen Blick für ein Motiv und dessen fotografische Umsetzung, liefert das Buch einen wahren Schatz an Inspiration und Wissen.

Das Buch

der Autoren: André Giogoli und Katharina Hausel. Titel: Bildgestaltung · Die große Fotoschule,

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Erschien am 29. September 2017 im Rheinwerk Verlag. 427 Seiten, gebunden, in hochwertiger Fadenheftung. Großes Bildbuchformat 21 x 24 cm, mit Lesebändchen. In Farbe gedruckt auf matt gestrichenem Bilderdruckpapier (135 g). Gut lesbare serifenlose Schrift (Linotype Syntax 9,25 Pt.). Zweispaltiges Layout. Mit zahlreichen Originalfotografien und Inspirationen für Ihre eigene Fotografie. Auch als E-Book zum Herunterladen im PDF-Format (232 MB) und als Onlinebuch erhältlich.

ISBN:
978-3-8362-3940-0
Preis:
44,90 Euro (Buch) | 39,90 Euro (E-Book) | 49,90 Euro (Buch und E-Book im Bundle)

Hier geht es zur Leseprobe.

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