Einmal im Jahr bin ich als Reisebegleiter und Fototrainer unterwegs. Gemeinsam mit einem Reiseveranstalter begleite ich eine Kleingruppe auf einer Fotoreise. Wir entdecken neue Landschaften, suchen Motive und beschäftigen uns mit der Fotografie.
Auch dieses Jahr führte mich die Reise nach Nova Scotia.
Eigentlich sollte auch diesmal eine kleine Gruppe dabei sein. Am Ende hatte ich jedoch nur zwei Teilnehmer, die die Reise exklusiv mit mir unternahmen. Das hatte durchaus Vorteile: Wir konnten das Programm unterwegs an ihre Wünsche anpassen, spontan entscheiden und uns dort mehr Zeit nehmen, wo es sich lohnte.

Für mich bedeutete das allerdings auch, dass ich nicht einfach nur als Fotograf unterwegs war. Ich war Reisebegleiter und Fototrainer. Ich wollte meine eigene Ausrüstung nutzen, fotografische Möglichkeiten zeigen und gemeinsam mit den beiden Teilnehmern Motive entdecken.
Mit dem iPhone allein aufzutauchen, wäre da wohl nicht ganz das Richtige gewesen.
Also kam meine große Kamera mit.
Die Canon EOS 5D Mark IV, meine Objektive, Zooms, Filter und das Stativ. Alles, was ich für die Reise vorgesehen hatte, sollte möglichst in meinem Fotorucksack Platz finden.
Zwölf Kilogramm Fotoausrüstung. Das Stativ und Filter nicht mitgerechnet.
Schon die Organisation des Reisegepäcks ist jedes Mal eine kleine Herausforderung. Ich bewundere Menschen, die es schaffen, mit einem Koffer und einem Fotorucksack zwei Wochen lang unterwegs zu sein. Bei mir kommt meistens noch ein weiteres Gepäckstück hinzu.
Immerhin hatte ich es diesmal geschafft, insgesamt zehn Kilogramm weniger Gepäck mitzunehmen als bei früheren Reisen.
Das war ein Anfang.
Nur hatte ich mir über eine andere Frage noch nicht genügend Gedanken gemacht: Was wollte ich mit meiner Ausrüstung eigentlich fotografieren?
Wenn der Rucksack nicht mehr das Problem ist
In meinem Beitrag „Das Bild war nie das Problem“ hatte ich darüber geschrieben, weshalb ich inzwischen häufiger mit dem iPhone fotografiere und meine große Kamera im Auto lasse.
Damals ging es vor allem um den Aufwand, der nach dem Fotografieren auf mich wartet. Die Bilder müssen gesichtet, bearbeitet und veröffentlicht werden. Aus einem schönen Fototag entsteht schnell eine Menge Arbeit.
In Nova Scotia wollte ich bewusst wieder anders fotografieren.
Die große Kamera sollte mit. Ich wollte die Möglichkeiten meiner Ausrüstung nutzen und mir Zeit für die Fotografie nehmen.

Und tatsächlich: Das Gewicht des Rucksacks war überraschenderweise kein großes Problem.
Ich hatte keine Rückenschmerzen und empfand die zwölf Kilogramm nicht als jene Last, die mir meine Fotografie erschwerte. Solange der Rucksack richtig saß und ich das Gewicht über den Hüftgurt auf das Becken übertragen konnte, kam ich damit gut zurecht.
Trotzdem wechselte ich bei einigen Wanderungen den Rucksack gegen meine Bereitschaftstasche.
Dann trug ich nur die Kamera und ein Zoomobjektiv.
Nicht, weil ich den schweren Rucksack nicht mehr hätte tragen können. Sondern weil ich für diese Wanderung einfach weniger mitnehmen wollte.
Das brachte mich zum Nachdenken.
Vielleicht hatte ich mich bei meinen Überlegungen zu sehr auf das Gewicht konzentriert.
Denn mein eigentliches Problem lag möglicherweise ganz woanders.
Alles dabei – aber nicht alles griffbereit
Wenn ich meinen Fotorucksack packe, möchte ich möglichst viele fotografische Möglichkeiten erhalten.
Ein Objektiv für die Landschaft, eines für weiter entfernte Motive, dazu Filter für besondere Lichtsituationen und natürlich das Stativ.
Man weiß schließlich nie, was einen unterwegs erwartet.
Doch ein Fotorucksack ist kein Lagerraum. Irgendwann ist er voll.

Das große Teleobjektiv mit 150–600 Millimetern Brennweite blieb während der Reise bis auf ein oder zwei Einsätze meistens im Auto. Es nahm einfach zu viel Platz weg, wenn ich die übrige Ausrüstung ebenfalls unterbringen wollte.
Auch meine Filter waren nicht ständig verfügbar. Sie steckten in einer separaten Tasche, die häufig zusammen mit dem großen Teleobjektiv im Auto blieb.
Das Stativ hatte ich zwar dabei, doch auch das blieb meistens dort.
So kam es, dass ich mit einer umfangreichen Fotoausrüstung unterwegs war, aber längst nicht alle Möglichkeiten nutzte, die ich mir damit eigentlich erhalten wollte.
Das klingt zunächst widersinnig.
Warum schleppe ich zwölf Kilogramm Ausrüstung mit, wenn ich einen Teil davon gar nicht verwende?
Die Antwort ist einfach: Weil ich die Möglichkeiten schätze, die mir diese Ausrüstung bietet.
Nur ist eine Möglichkeit noch kein Foto.
Und ein Filter, der im Auto liegt, hilft mir nicht viel, wenn ich gerade vor einem Wasserfall stehe und das fließende Wasser bewusst länger belichten möchte.
Der Filter, den ich nicht benutzt habe
Besonders deutlich wurde mir das bei meinen Filtern.
Ich habe inzwischen, glaube ich, meinen siebten oder achten Filterhalter. Und noch immer habe ich nicht den einen gefunden, bei dem ich sagen würde: Das ist die Lösung, mit der ich dauerhaft zufrieden bin.
Das liegt nicht daran, dass ich die Wirkung von Filtern nicht schätze.
Im Gegenteil.
Gerade bei Landschaftsaufnahmen können Polfilter und Neutraldichtefilter Möglichkeiten eröffnen, die ich mit einer gewöhnlichen Aufnahme nicht auf dieselbe Weise erreiche.

In Nova Scotia gab es durchaus Motive, bei denen sich der Einsatz eines Filters angeboten hätte. Meer, Seen, Wasserfälle und Landschaften, bei denen ich mit Reflexionen oder längeren Belichtungszeiten hätte experimentieren können.
Doch ich habe meine Filter kaum benutzt.
Nicht, weil ich sie vergessen hatte. Sie waren schließlich mitgereist.
Aber sie lagen häufig im Auto.
Und selbst wenn sie dabei gewesen wären, hätte ich zunächst die Filtertasche öffnen, den passenden Adapterring anbringen, den Halter montieren und den Filter einsetzen müssen.
Anschließend alles wieder abbauen und verstauen.
Für eine gezielte Filtersession ist das vollkommen in Ordnung. Wenn ich losziehe, um ganz bewusst mit Langzeitbelichtungen zu experimentieren, gehört diese Vorbereitung dazu.
Auf einer Rundreise oder während einer Wanderung sieht die Sache anders aus.
Wir halten an einem interessanten Ort, gehen ein Stück, entdecken ein Motiv und möchten fotografieren. Vielleicht bleiben wir eine halbe Stunde, vielleicht auch länger. Danach geht es weiter.
In solchen Situationen entscheidet nicht allein die Qualität eines Werkzeugs darüber, ob ich es benutze.
Entscheidend ist auch, wie unkompliziert ich es einsetzen kann.
Und plötzlich erscheint mir meine Filtertasche nicht mehr als Sammlung fotografischer Möglichkeiten, sondern als zusätzliche Hürde.
Das ist eine unbequeme Erkenntnis für jemanden, der seine Ausrüstung eigentlich liebt.
Das kleine Gerät, das fast alles kann
Während meine Filter und das Stativ meistens im Auto blieben, war mein iPhone immer dabei.
Es ist leicht, schnell griffbereit und nimmt kaum Platz weg.
Vor allem aber kann es erstaunlich viele Aufgaben übernehmen.
Wenn ich ein Panorama aufnehmen möchte, brauche ich nicht erst meinen speziellen Panoramakopf für das Stativ aufzubauen. Die Panoramafunktion des iPhones ist schnell zur Hand.

leider bei stark bedecktem Himmel.
Wenn ich unterwegs ein Video machen möchte, kann das Smartphone ebenfalls einspringen. Für viele Situationen genügt mir seine Bildqualität vollkommen.
Und selbst bei schwierigeren Lichtverhältnissen liefert es häufig Ergebnisse, mit denen ich gut leben kann.
Natürlich ersetzt das iPhone nicht alles, was meine große Kamera kann. Und es macht aus einer Smartphone-Aufnahme nicht automatisch ein Bild, das ich genauso mit meiner Canon aufgenommen hätte.
Aber darum geht es auch gar nicht.
Es geht um die Frage, welches Werkzeug für eine bestimmte Situation sinnvoll ist.
Ich hatte meinen DJI OSMO Mobile für das iPhone zu Hause gelassen, ebenso die OSMO Pocket und meinen externen Audiorecorder für Tonaufnahmen.
Auch der Panoramakopf war nicht mitgereist.
All diese Geräte haben ihre Berechtigung. Ich nutze sie gerne, wenn ich gezielt mit ihnen arbeiten möchte.
Aber wenn ich sie nur mitnehme, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, wird aus meiner Ausrüstung schnell eine Sammlung von Möglichkeiten, die ich unterwegs kaum ausschöpfe.
Das iPhone ist in solchen Situationen ein erstaunlich guter Kompromiss.
Nicht, weil es alles besser kann.
Sondern weil es da ist, wenn ich es brauche.

Was ich eigentlich mitnehmen möchte
Am Ende der Reise saß ich vor meinen Bildern und ließ die vergangenen zwei Wochen noch einmal Revue passieren.
Ich hatte die große Kamera benutzt, Motive entdeckt und fotografische Möglichkeiten genutzt, für die ich sie bewusst mitgenommen hatte.
Trotzdem blieb ein Gefühl zurück, das ich zunächst nicht richtig einordnen konnte.
Ich war ein wenig enttäuscht von mir selbst.
Nicht, weil meine Bilder schlecht gewesen wären. Und auch nicht, weil ich den Rucksack als zu schwer empfunden hätte.
Vielmehr fragte ich mich, weshalb ich manche Möglichkeiten gar nicht genutzt hatte.
Warum hatte ich nicht häufiger mit Filtern experimentiert? Warum hatte ich das Stativ so selten eingesetzt? Weshalb hatte ich mir nicht öfter bewusst Zeit für eine bestimmte fotografische Technik genommen?
Schließlich war ich auf einer Fotoreise unterwegs.
Genau dafür hatte ich die Ausrüstung eingepackt.
Vielleicht lag die Antwort darin, dass ich zwei Dinge miteinander vermischt hatte.
Ich hatte Ausrüstung mitgenommen, um die Möglichkeit zu haben, sie einzusetzen. Aber ich hatte mir nicht immer die Zeit genommen, diese Möglichkeiten tatsächlich zu nutzen.
Das ist ein Unterschied.

Wenn ich gezielt eine Wanderung plane, um an einem Wasserfall mit Langzeitbelichtungen zu experimentieren, dann packe ich meine Filter ein, nehme das Stativ mit und beschäftige mich mit dem Motiv.
Dann ist die Ausrüstung Teil des Vorhabens.
Wenn ich dagegen auf einer Rundreise möglichst flexibel bleiben möchte, entstehen andere Prioritäten. Ich möchte unterwegs sein, Motive entdecken und mich nicht bei jedem Halt zunächst mit zusätzlichem Zubehör beschäftigen.
Beides ist legitim.
Aber ich sollte vorher wissen, was ich eigentlich möchte.
Und was hat das mit dem Älterwerden zu tun?
Auf den ersten Blick vielleicht nicht besonders viel.
Schließlich habe ich in Nova Scotia nicht festgestellt, dass ich mit meinen zwölf Kilogramm Fotoausrüstung körperlich überfordert gewesen wäre.
Ich konnte den Rucksack tragen. Ich hatte keine Rückenschmerzen. Und wenn ich weniger Ausrüstung mitnehmen wollte, dann tat ich das, weil es für die jeweilige Wanderung praktischer war.
Trotzdem hat mich die Reise zu einer Frage geführt, die über die Ausrüstung hinausgeht.
Wie möchte ich eigentlich in Zukunft fotografieren?
Ich möchte weiterhin mit meiner großen Kamera unterwegs sein können. Ich möchte mich auf eine Fotowanderung begeben, ein Stativ aufbauen, mit Filtern experimentieren und mir Zeit für ein Motiv nehmen.
Und ich möchte das nicht nur heute können.
Natürlich verändert sich unser Körper im Laufe der Jahre. Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer sind keine Selbstverständlichkeiten, die uns unbegrenzt erhalten bleiben.
Aber vielleicht sollten wir uns nicht erst dann damit beschäftigen, wenn uns eine Wanderung schwerfällt oder wir nach einem langen Tag Schmerzen haben.
Ich sehe darin weniger eine Verpflichtung, besonders sportlich zu werden, als eine Möglichkeit, mir etwas zu erhalten, das mir Freude macht.
Wenn ich weiterhin mit meiner Kamera durch die Natur gehen möchte, gehört es dazu, auf meinen Körper zu achten.

Bewegung im Alltag, etwas Krafttraining und eine vernünftige Vorbereitung auf längere Touren können dabei helfen, körperlich belastbar zu bleiben. Wie viel und welche Art von Training sinnvoll ist, hängt natürlich von den eigenen Voraussetzungen ab.
Auch Angebote wie huuman können ein Ansatz sein, sich mit dem Thema Muskelaufbau und gesundes Älterwerden näher zu beschäftigen. Wer sich dafür interessiert, findet im Beitrag von huuman zum Krafttraining ab 40 weitere Informationen.
Für mich steht dabei nicht irgendeine Zahl im Vordergrund.
Mich interessiert vielmehr, was ich mit meiner körperlichen Leistungsfähigkeit anfangen möchte.
Ich möchte weiterhin fotografieren können, weil ich es gerne tue.
Und ich möchte selbst entscheiden, wann ich meine große Kamera mitnehme und wann das iPhone genügt.
Beim nächsten Mal packe ich anders
Wenn ich heute an die nächste Fotoreise denke, würde ich deshalb nicht einfach versuchen, meinen Rucksack noch leichter zu machen.
Ich würde zunächst überlegen, welche Art von Fotografie ich auf dieser Reise tatsächlich betreiben möchte.
Wenn ich gezielt mit Filtern arbeiten will, gehören sie in den Rucksack und müssen so untergebracht sein, dass ich sie unkompliziert einsetzen kann.
Wenn ich ein Panorama mit meiner großen Kamera aufnehmen möchte, sollte ich mir überlegen, ob ich dafür tatsächlich den sperrigen Panoramakopf mitnehmen will.
Und wenn ich weiß, dass ich auf einer längeren Wanderung möglichst flexibel bleiben möchte, kann es sinnvoll sein, bewusst weniger Ausrüstung einzupacken.
Nicht alles, was ich besitze, muss auf jeder Reise dabei sein.
Das klingt selbstverständlich. Aber manchmal braucht es eine Reise, um festzustellen, dass man die eigenen Gewohnheiten hinterfragen sollte.
Ich möchte meine große Kamera nicht gegen das iPhone eintauschen.
Ich möchte aber auch nicht länger Ausrüstung mitnehmen, nur weil ich sie theoretisch gebrauchen könnte.
Und ich möchte mir die körperlichen Voraussetzungen erhalten, um weiterhin das tun zu können, was mir Freude macht.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus meinen zwei Wochen in Nova Scotia:
Nicht die zwölf Kilogramm waren das Problem. Sondern die Frage, wie ich meine Ausrüstung so einsetze, dass sie mir die Fotografie erleichtert, statt mich von ihr abzulenken.
Denn am Ende möchte ich nicht möglichst viel Ausrüstung durch die Landschaft tragen.
Ich möchte möglichst viel fotografieren.
Und das Bild war schließlich nie das Problem.

Wie sieht es bei dir aus?
Hast du auch schon einmal festgestellt, dass du viel Fotoausrüstung mitnimmst, aber unterwegs doch meistens zur gleichen Kamera oder zum gleichen Objektiv greifst? Oder hast du eine Lösung gefunden, mit der du deine Ausrüstung so organisierst, dass du sie gerne und unkompliziert einsetzt?
Ich freue mich auf deine Erfahrungen in den Kommentaren.