Es gibt Bilder, die sieht man sich zu Hause auf dem Monitor an und weiß sofort: Das hat sich gelohnt. Das Licht stimmt, die Farben wirken, und plötzlich ist dieser Moment wieder da, den man beim Fotografieren erlebt hat.
Und dann gibt es die anderen.
Man erinnert sich an die Szene, an die Farben, an die Stimmung. Man weiß noch, warum man die Kamera überhaupt aus der Tasche genommen hat. Aber das Foto, das jetzt auf dem Bildschirm erscheint, will einfach nicht so recht dazu passen.
Manchmal ist es nur eine Kleinigkeit. Ein wenig flau, ein bisschen zu wenig Kontrast, vielleicht fehlt die Tiefe. Manchmal ist es aber auch dieses schwer zu beschreibende Gefühl, dass das Bild zwar alles zeigt, was vor der Kamera war, aber trotzdem nicht das vermittelt, was man selbst erlebt hat.
Was macht man mit solchen Bildern?
Lange Zeit war meine Antwort ziemlich einfach. Ich habe sie bearbeitet, solange ich das Gefühl hatte, dem ursprünglichen Eindruck näherzukommen. Wenn das nicht funktionierte, wurde das Foto aussortiert. Schließlich kann man nicht jede Aufnahme retten, und das muss man auch nicht.
Heute sieht die Sache anders aus. Nicht unbedingt, weil ich meine Meinung über Fotografie geändert hätte. Sondern weil die Werkzeuge, die uns für die Bildbearbeitung zur Verfügung stehen, inzwischen Dinge ermöglichen, über die wir vor einigen Jahren kaum nachgedacht hätten.
Genau deshalb finde ich das neue Herbst-Update von Luminar interessant. Und genau deshalb bin ich bei manchen seiner Möglichkeiten gleichzeitig neugierig und vorsichtig.
Wenn das Wetter nicht mitspielt
Auf meiner Reise durch Nova Scotia hatte ich reichlich Gelegenheit, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Die herbstliche Laubfärbung war großartig. Rot, Gelb und Orange, dazwischen immer wieder diese Landschaften, bei denen man am liebsten alle paar Kilometer anhalten würde.
Nur spielt das Wetter nicht immer so mit, wie man es sich als Fotograf wünschen würde.
Ein grauer Himmel kann einer Landschaft die Wirkung nehmen, die man vor Ort empfunden hat. Das Licht ist flach, die Farben erscheinen auf dem Bildschirm weniger lebendig, und die Erinnerung an die Szene ist plötzlich schöner als das Foto selbst.
Natürlich könnte ich jetzt versuchen, aus jeder dieser Aufnahmen ein kleines Kunstwerk zu machen. Mehr Kontrast, kräftigere Farben, einen dramatischen Himmel, vielleicht sogar etwas Nebel, der die Landschaft geheimnisvoller erscheinen lässt.
Das Problem ist nur: Technisch ist heute vieles möglich. Aber nicht alles, was möglich ist, entspricht dem, was ich unter Fotografie verstehe.
Damit will ich die Bildbearbeitung keineswegs verteufeln. Im Gegenteil. Ich experimentiere gerne, probiere neue Werkzeuge aus und finde es faszinierend, wie sich ein Bild durch vergleichsweise kleine Veränderungen entwickeln kann. Manchmal entdecke ich dabei sogar eine Bildidee, die mir bei der Aufnahme noch gar nicht bewusst war.
Ich möchte nur unterscheiden können, was ich mit einer Aufnahme mache. Möchte ich den vorhandenen Eindruck herausarbeiten? Möchte ich eine kreative Interpretation gestalten? Oder erzeuge ich eine Szene, die es so nie gegeben hat?
Das sind für mich unterschiedliche Dinge. Und die Grenzen dazwischen werden mit jeder neuen Generation von Bildbearbeitungssoftware ein wenig interessanter.


Ein Regler, der mehr können soll
Eine der Neuerungen im Herbst-Update von Luminar wirkt zunächst wenig spektakulär: Enhance AI.
Ein Regler, mit dem sich ein Bild verbessern lässt. Solche Funktionen kennen wir inzwischen zur Genüge. Häufig genug hat man allerdings auch erlebt, dass eine automatische Optimierung zwar auf den ersten Blick beeindruckt, bei genauerem Hinsehen aber über das Ziel hinausschießt. Der Himmel wird zu kräftig, die Farben verlieren ihre Natürlichkeit, und aus einer dezenten Korrektur wird ein sichtbarer Effekt.
Genau an diesem Punkt setzt die neue Enhance-Verarbeitung an.
Nach Angaben von Skylum analysiert die Software das jeweilige Bild und passt ihre Korrekturen an unterschiedliche Aufnahmesituationen an. Dabei berücksichtigt sie unter anderem Belichtung, Farbstiche, Himmel, helle Bildbereiche und die Gefahr unnatürlicher Übergänge. Auch bei Hauttönen und Himmelsbereichen soll die Verarbeitung gezielter vorgehen.
Das klingt zunächst nach einer technischen Verbesserung im Hintergrund. Für mich liegt der eigentliche Reiz aber woanders: Eine Automatik ist dann besonders hilfreich, wenn sie nicht möglichst viel verändert, sondern möglichst passend.
Gerade bei Landschaftsaufnahmen ist das ein wichtiger Unterschied. Ein bedeckter Himmel braucht nicht zwangsläufig mehr Dramatik. Herbstlaub muss nicht in Farben explodieren, um lebendig zu wirken. Und ein Bild, das bereits eine gute Grundlage besitzt, sollte durch eine automatische Optimierung nicht seinen Charakter verlieren.
Interessant ist deshalb auch die Möglichkeit, den Enhance-Regler bis 100 Prozent zu bewegen. Skylum verspricht, dass die Verarbeitung selbst bei dieser Einstellung stärker auf die jeweilige Szene abgestimmt bleibt.
Das ist ein Versprechen, das sich am besten mit unterschiedlichen Bildern überprüfen lässt: einer Aufnahme bei schwierigen Lichtverhältnissen, einer Landschaft mit kräftigen Farben und vielleicht einem Porträt.
Denn nicht jedes Bild braucht dieselbe Korrektur. Und nicht jede Automatik versteht automatisch, was wir mit einer Aufnahme ausdrücken möchten.
Der Nebel, der plötzlich möglich ist
Bei einer anderen Neuerung wird es deutlich kreativer.
Atmosphere AI 2.0 ist eine überarbeitete Version eines Werkzeugs, das Nebel und atmosphärische Effekte in Bilder bringen kann. Die grundlegende Technik wurde laut Skylum verändert. Statt vorbereitete Nebeltexturen über das Foto zu legen, arbeitet die neue Version mit einer räumlichen, dreidimensional aufgebauten Atmosphäre.
Der Nebel soll dadurch stärker auf die Szene reagieren. Er kann räumlich positioniert werden, sich zwischen Bäumen oder über dem Boden ausbreiten und Licht sowie Schatten berücksichtigen. Auch seine Farbwirkung orientiert sich am Bild, anstatt grundsätzlich von einer weißen Nebelschicht auszugehen.
Das eröffnet interessante Möglichkeiten.
Ein Wald kann mehr Tiefe bekommen. Eine Landschaft gewinnt unterschiedliche Bildebenen. Lichtquellen können durch Dunst eine ganz andere Wirkung entfalten. Und eine Aufnahme, die bislang recht flach erschien, lässt sich gestalterisch in eine neue Richtung entwickeln.
Hier beginnt allerdings auch mein persönlicher Zwiespalt.
Denn wenn ich bei einer herbstlichen Wanderung durch einen Wald fotografiere und die Luft klar ist, dann ist sie eben klar. Ich kann später Nebel hinzufügen, und das Ergebnis mag ausgesprochen stimmungsvoll aussehen. Vielleicht gefällt mir die bearbeitete Variante sogar besser als das Original.
Aber der Nebel war nicht da.
Ist das Ergebnis deshalb schlechter? Nicht zwangsläufig. Wenn ich bewusst eine kreative Bildinterpretation gestalte, sehe ich keinen Grund, warum ich mich auf das beschränken sollte, was im Moment der Aufnahme vor meiner Kamera war. Fotografie kann dokumentieren, aber sie kann auch gestalten.
Entscheidend ist für mich, dass ich weiß, was ich tue – und dass ich das Ergebnis nicht mit einer unveränderten Aufnahme verwechsle.
Genau deshalb würde ich bei einer solchen Funktion nicht einfach den Regler verschieben und anschließend behaupten, das Bild sei nun besser. Ich würde das Original danebenlegen. Ich würde mit unterschiedlichen Einstellungen spielen und mir ansehen, was sich verändert.
Wie viel Atmosphäre braucht das Bild? Wann gewinnt es an Tiefe? Und ab welchem Punkt wird aus einer glaubwürdigen Interpretation ein Effekt, der nur noch beeindrucken soll?
Das sind Fragen, die sich nicht allein mit einem Regler beantworten lassen. Aber eine Software, die solche Experimente ermöglicht, macht es leichter, die eigenen Vorstellungen zu hinterfragen.
Und zugegeben: Schon die Möglichkeit, solche Veränderungen unmittelbar miteinander vergleichen zu können, macht neugierig.


Wenn der Bildausschnitt nicht ganz stimmt
Es gibt noch eine andere Situation, die vermutlich jeder kennt, der regelmäßig fotografiert.
Man kommt nach Hause, sieht sich seine Bilder in Ruhe an und stellt fest, dass der Ausschnitt nicht ganz so gelungen ist, wie man ihn vor Ort empfunden hat.
Das Motiv sitzt etwas zu weit am Rand. In Blickrichtung fehlt Platz. Der Horizont könnte besser liegen. Oder man entdeckt erst auf dem großen Bildschirm, dass eine andere Gewichtung der Bildelemente dem Foto guttun würde.
Natürlich lässt sich vieles durch einen normalen Beschnitt lösen. Manchmal genügt es, oben oder unten ein wenig wegzunehmen. Manchmal hilft es, den Bildaufbau zu verändern.
Mit Smart Compositions geht Luminar einen Schritt weiter. Die Funktion analysiert die Szene und schlägt verschiedene Bildausschnitte vor, die sich an etablierten fotografischen Gestaltungsprinzipien orientieren.
Dabei soll die Software nicht nur einen einzigen Beschnitt liefern. Sie erzeugt mehrere mögliche Varianten, bewertet diese und bietet unterschiedliche Kompositionen zur Auswahl an.
Das ist vor allem für diejenigen interessant, die bei der Bildgestaltung noch unsicher sind. Wer sich mit klassischen Gestaltungsregeln beschäftigt hat, erkennt vielleicht sofort, warum ein Motiv mehr Raum in Blickrichtung braucht oder weshalb ein anderer Ausschnitt harmonischer wirkt. Wer diese Regeln noch nicht kennt, kann durch unterschiedliche Vorschläge etwas lernen.
Für mich als Fotograf ist die Funktion ebenfalls interessant – allerdings aus einem etwas anderen Grund.
Ich möchte nicht, dass mir eine Software grundsätzlich vorschreibt, wie ich ein Bild gestalten soll. Aber ich finde es durchaus spannend, alternative Bildlösungen zu sehen. Manchmal bestätigt ein Vorschlag die eigene Entscheidung. Manchmal zeigt er eine Möglichkeit, die man selbst übersehen hat.
Die Entscheidung, welche Variante zum Bild passt, bleibt trotzdem bei mir.
Und es gibt natürlich eine Grenze: Ein neuer Beschnitt verändert die Gewichtung innerhalb einer Aufnahme. Werden dagegen zusätzliche Bildbereiche erzeugt, die ursprünglich gar nicht aufgenommen wurden, ist das ein anderer Eingriff. Auch diese Unterscheidung finde ich wichtig.
Man muss nicht mehr jeden Regler kennen
Die vielleicht praktischste Neuerung ist für viele Fotografen der AI Assistant 2.0.
Ich weiß, was Belichtung und Weißabgleich bedeuten. Ich kenne den Unterschied zwischen Kontrast und Sättigung und weiß, dass eine Maske bei der gezielten Bearbeitung bestimmter Bildbereiche helfen kann.
Aber nicht jeder, der gerne fotografiert, möchte sich zunächst durch sämtliche Werkzeuge, Regler und Einstellungen arbeiten. Und selbst wer sich auskennt, hat nicht immer Lust, für jede kleine Veränderung den passenden Weg durch die Benutzeroberfläche zu suchen.
Hier setzt der neue Assistent an.
Statt selbst nach dem richtigen Werkzeug zu suchen, kann man die gewünschte Veränderung in Worten beschreiben. Das Bild soll wärmer wirken? Störende Leitungen sollen verschwinden? Oder man möchte zunächst wissen, welche Schwächen in einer Aufnahme stecken und wo man mit der Bearbeitung anfangen könnte.
Der Assistent soll solche Wünsche einordnen, passende Werkzeuge auswählen und die Bearbeitung unterstützen. Er kann auch vorhandene Einstellungen und die bisherige Bearbeitung berücksichtigen. Bei kreativen Anfragen sind mehrere Vorschläge möglich.
Das verändert den Zugang zur Bildbearbeitung.
Man muss nicht unbedingt wissen, wie ein Werkzeug heißt oder wo es sich im Programm befindet. Man beginnt mit einer Vorstellung davon, was man erreichen möchte.
Das macht die Software nicht automatisch zu einem besseren Fotografen. Es kann aber die Hürde senken, sich mit der Bearbeitung überhaupt auseinanderzusetzen.
Gerade für Einsteiger finde ich diesen Ansatz interessant. Wer seine Bilder verbessern möchte, sollte nicht erst eine kleine Ausbildung in Bildbearbeitung absolvieren müssen, bevor er zu einem brauchbaren Ergebnis kommt.
Gleichzeitig würde ich mich nicht blind auf einen Assistenten verlassen. Eine Software kann Vorschläge machen und Einstellungen verändern. Ob diese Veränderungen tatsächlich zur Aufnahme passen, muss ich weiterhin selbst beurteilen.
Das gilt übrigens nicht nur für KI. Auch ein ganz gewöhnlicher Kontrastregler kann ein Bild verschlechtern, wenn man ihn zu weit aufzieht.


Vom Bildschirm auf Papier
Eine Neuerung fällt aus diesem Zusammenhang ein wenig heraus: Luminar integriert nun auch eine Druckfunktion.
Damit endet der Weg eines Fotos nicht mehr zwangsläufig auf dem Bildschirm. Ein fertig bearbeitetes Bild lässt sich auf dem eigenen Drucker ausgeben oder als professioneller Druck bei einem Fotolabor bestellen.
Das klingt zunächst nach einer praktischen Ergänzung. Und tatsächlich ist es genau das: eine weitere Möglichkeit, mit dem fertigen Foto etwas anzufangen.
Ich finde diesen Gedanken durchaus reizvoll. Denn bei aller Begeisterung für neue Bearbeitungswerkzeuge sollten wir nicht vergessen, dass ein Foto auch außerhalb eines Bildschirms existieren kann. Als Ausdruck, als Geschenk oder als Bild, das einen Platz an der Wand bekommt.
Die Druckfunktion macht aus Luminar kein anderes Programm. Sie erweitert vielmehr den Weg vom digitalen Bild zum fertigen Ergebnis.
Ob man diese Möglichkeit nutzt, hängt natürlich vom eigenen Workflow ab. Wer seine Bilder ohnehin über einen anderen Dienst drucken lässt, wird darin vielleicht keinen entscheidenden Grund für ein Update sehen. Wer dagegen möglichst viel an einem Ort erledigen möchte, dürfte die Integration begrüßen.
Und auch hier gilt: Am Ende zählt nicht, wie viele Funktionen ein Programm besitzt, sondern ob sie zum eigenen Fotografieren passen.
Bildbearbeitung braucht nicht unbedingt einen Schreibtisch
Während sich die Neuerungen von Luminar vor allem mit der Frage beschäftigen, was wir aus unseren Bildern machen können, geht Skylum mit Luminar on Web noch einen anderen Schritt. Die Bildbearbeitung wandert in den Browser.
Das klingt zunächst unspektakulär, könnte aber durchaus interessant werden. Denn damit entfällt die Notwendigkeit, für diesen Weg der Bildbearbeitung eine eigene Software auf dem Rechner zu installieren. Luminar on Web läuft direkt im Browser und ist damit nicht an ein bestimmtes Betriebssystem gebunden. Auch Linux wird unterstützt, und die Anwendung soll ohne einen besonders leistungsstarken Computer auskommen.
Ich finde diesen Gedanken spannend. Nicht jeder möchte sich einen leistungsfähigen Rechner für die Bildbearbeitung anschaffen oder sich dauerhaft an eine bestimmte Arbeitsumgebung binden. Und manchmal möchte man einfach ein Foto bearbeiten, ohne sich zunächst Gedanken darüber machen zu müssen, ob die passende Software installiert ist und alle Voraussetzungen erfüllt sind.
Natürlich ist eine browserbasierte Anwendung nicht automatisch die bessere Lösung. Entscheidend bleibt, welche Werkzeuge zur Verfügung stehen, wie gut sie sich bedienen lassen und ob der eigene Arbeitsablauf damit funktioniert. Gerade deshalb wäre es interessant, Luminar on Web nicht nur als technische Neuerung zu betrachten, sondern als einen weiteren Weg, mit den eigenen Bildern zu arbeiten.
Vielleicht wird Bildbearbeitung in Zukunft weniger davon bestimmt, an welchem Rechner wir sitzen, und stärker davon, was wir mit einem Foto erreichen möchten. Auch das ist eine Entwicklung, die ich im Auge behalten werde.
Spielen darf man trotzdem
Je länger ich mich mit den neuen Möglichkeiten der Bildbearbeitung beschäftige, desto weniger interessiert mich die Frage, ob KI in der Fotografie grundsätzlich gut oder schlecht ist.
Diese Diskussion führt selten besonders weit. Dafür sind die Anforderungen an ein Foto zu unterschiedlich.
Wer ein Naturereignis dokumentiert, hat andere Ansprüche als jemand, der eine kreative Bildidee verwirklichen möchte. Ein journalistisches Foto muss anderen Maßstäben genügen als eine bewusst gestaltete Fantasielandschaft. Und wer ein Bild für sich selbst bearbeitet, muss nicht automatisch dieselben Regeln anwenden wie jemand, der es als dokumentarischen Beleg veröffentlicht.
Für mich persönlich bleibt die Fotografie eng mit dem verbunden, was ich tatsächlich gesehen und erlebt habe. Ich möchte bei meinen Bildern möglichst viel von diesem ursprünglichen Eindruck erhalten. Das bedeutet nicht, dass ich jede Aufnahme unbearbeitet lasse. Schon die Entscheidung für einen Bildausschnitt, die Belichtung und die spätere Entwicklung beeinflussen die Wirkung eines Fotos.
Aber ich möchte nicht so tun, als hätte ich etwas fotografiert, das in Wirklichkeit erst am Rechner entstanden ist.
Das schließt Experimente nicht aus. Im Gegenteil. Ich kann einen Nebel erzeugen, Farben verändern, unterschiedliche Bildkompositionen ausprobieren und sehen, wohin mich die Möglichkeiten führen. Ich kann Varianten gestalten, die ich später nicht als meine eigentlichen Fotografien veröffentlichen würde.
Warum auch nicht?
Nicht jedes Experiment muss in einem fertigen Bild enden. Manchmal ist gerade das Ausprobieren interessant. Man lernt etwas über die Software, über Bildgestaltung und nicht zuletzt über die eigenen Vorstellungen.
Wenn ich solche Veränderungen zeige, gehören für mich das Original und die bearbeitete Version zusammen. Ich möchte kenntlich machen, was verändert wurde, und dem Betrachter die Möglichkeit geben, beides miteinander zu vergleichen.
Das ist keine allgemeingültige Vorschrift für jede Form der kreativen Fotografie. Es ist meine persönliche Haltung.
Und ich finde, sie lässt genügend Raum, um neugierig zu bleiben.
Was ich vom Herbst-Update mitnehme
Luminar entwickelt sich mit diesem Herbst-Update in mehrere Richtungen weiter. Enhance AI soll Bilder gezielter und mit mehr Rücksicht auf ihre jeweiligen Eigenschaften optimieren. Atmosphere AI 2.0 eröffnet neue Möglichkeiten für räumlich wirkende Nebeleffekte. Smart Compositions unterstützt bei der Suche nach einem passenden Bildausschnitt. Der AI Assistant erleichtert den Zugang zu Werkzeugen und Bearbeitungsschritten. Und die integrierte Druckfunktion führt das fertige Bild über den Bildschirm hinaus.
Nicht jede dieser Neuerungen wird für jeden Fotografen gleich wichtig sein. Wer hauptsächlich natürliche Korrekturen vornimmt, dürfte andere Schwerpunkte setzen als jemand, der gerne mit Atmosphäre und Bildgestaltung experimentiert. Und wer seine Bilder bereits mit einem eingespielten Workflow bearbeitet, wird nicht allein wegen einer neuen Funktion alles verändern wollen.
Für mich liegt der Reiz darin, diese Möglichkeiten kennenzulernen, sie an eigenen Bildern auszuprobieren und herauszufinden, welche davon meine Arbeit tatsächlich bereichern.
Denn genau das erwarte ich von einer guten Bildbearbeitungssoftware: Sie soll mir Möglichkeiten eröffnen, ohne mir vorzuschreiben, wie mein Bild am Ende aussehen muss.
Vielleicht landet das eine oder andere Foto dadurch nicht mehr im Papierkorb. Vielleicht entdecke ich eine Gestaltung, auf die ich selbst nicht gekommen wäre. Und vielleicht stelle ich bei manchen Experimenten auch fest, dass mir das Original doch besser gefällt.
All das gehört für mich dazu.
Ich möchte wissen, was mit meinen Bildern möglich ist. Aber ich möchte weiterhin selbst entscheiden, was ich aus ihnen mache.
Und manchmal ist das schon Grund genug, eine neue Funktion auszuprobieren.